Stierkämpfe in der Camargue

Stierkämpfe in der Camargue

Es gibt in der Camargue zwei unterschiedliche Stierkämpfe. Den spanischen (blutigen) Stierkampf und den Course Camarguaise (unblutigen), über die ich hier schreiben werde.
Da besonders der spanische Stierkampf ein Thema ist, bei dem ich nicht zwiegespaltener sein könnte. Und keinen langweilen möchte, achtet auf die Überschriften und lest Euch das durch, was Euch interessiert.

Meine Meinung zum spanischen Stierkampf

Ich muss sagen das ich aus den Medien zwangsweise Bilder von den Stierkampf gesehen habe und es absolut nicht schön finde, wie die Stiere gefoltert werden und qualvoll in den Tod gehen. Mein Maß an Verständnis dafür ist gering.

Aber wer bin ich, das ich das anprangern kann? Ich, die wie viele andere ihre Milch beim Discounter oder im Supermarkt kaufen, von Kühen die aus wirtschaftlichen Gründen niemals das Sonnenlicht gesehen haben, geschweige denn je auf einer richtigen Weide stehen durften.

Wenn ich mir jetzt einen spanischen Kampfstier zum Vergleich ansehe, der sein Leben von Geburt an, auf einer riesigen Weide aufgewachsen ist und das tun konnte, was Stiere halt so tun. Und dann einen furchtbar bestialischen Tag haben, der letztendlich zum Lebensende führt.

Es ist beides ein furchtbares Schicksal und es liegt an jedem einzelnen das zu ändern.

Unser erster Stierkampf

Als uns in Salin-de-Giraud eine Ankündigung für einen Stierkampf in die Hände fiel, entschlossen wir uns diesen anzusehen.
Etwas verwirrt über die von Kindern gemalten Zettel mit Schleifchen und freundlich schauenden Stieren  und der Vorstellung das dort heute ein Stier sinnlos und qualvoll sein Leben lassen muss, machten wir uns auf den Weg in die Arena.
Wir bezahlten 2€ für den Eintritt und waren verwundert, das gerade mal ein Viertel der Arena mit Zuschauern gefüllt war. Und dachten noch, das die sich dann wohl durch den Verkauf des Fleisches diese “Show” finanzieren.

Anstelle eines schick gewandeten Toreros, kamen 10 in weiß gekleidete junge Männer in die Arena und das was dann folgte, war einfach nur faszinierend.

Es folgt jetzt eine allgemein gehaltene Beschreibung des Stierkampfes, weiter unten schreibe ich noch etwas über meine persönlichen Erlebnisse.

Course Camarguaise

Der Course Camarguaise ist ein Sportevent, bei dem es unblutig zugeht. Im Normalfall gehen sowohl die Stiere als auch die Spieler unverletzt auseinander.

Ein Course besteht aus sechs verschiedenen Stieren. Dazu kommen die menschlichen Spieler, die sogenannten Raseteure und Tourneure.

Nach der Begrüßung der Spieler ertönt ein Signal und der erste Stier wird in die Arena gelassen.
Dort gibt man ihm etwas Zeit, um sich zurecht zu finden.
Dann haben die Spieler 15 Minuten, um die Trophäen vom Stier abzupflücken.
Während der Veranstaltung gibt ein Stadionsprecher durch, wenn das Preisgeld für eine Trophäe erhöht wird.
Wenn es dem Stier gelingt, seine Trophäen zu verteidigen, verlässt dieser als Sieger die Arena.
So oder so ertönt nach 15 Minuten ein zweites Signal und der Stier kommt zurück in seine Box und der nächste Stier ist an der Reihe.

Die Arena

ist von einer stabilen Barrikade und einer roten hölzernen Umzäunung in etwa in Brusthöhe umgeben, hinter die sich die Akteure vor dem Stier flüchten können, wenn sie vom Stier bei ihren Aktionen attackiert werden. Zwischen der hölzernen Umzäunung und der Barriere befindet sich ein Umlauf, hinter denen sich die Spieler in Sicherheit bringen können.

Der Camargue Stier

eine sehr rustikalen Rasse. Die Rinder der Camargue leben fast wild in Herden den „manades“ und ihr Aufzucht- und Auslaufgebiet sind das Grasland und die Sumpfgebiete der Camargue.
Der Camargue Stier konnte nie als Hoftier gezähmt werden. Da er weder als Fleischlieferant noch als Arbeitstier überzeugen konnte, verdankt die Rasse ihr Überleben ausschließlich den Einsatz während der Stierkämpfe und Feste.
Im Gegensatz zu anderen Rassen wirken diese Stiere mit einer Schulterhöhe von ca. 1,30 Metern fast schon klein und ungefährlich. Dabei sind sie um einiges flinker und wendiger als ihre Kollegen und somit auch noch viel gefährlicher.
Sein Fell ist dunkel, meistens schwarz, aber auch braun sind sie zu bewundern. Die Hörner sind das typische Erkennungszeichen dieser Rasse. Sie sind sehr lang, spitz zulaufend und zieren auch die Kühe.
Die für den Kampf verwendeten Ochsen werden im Alter von einem Jahr kastriert.
Dem Stier werden Trophäen um die Hörner gebunden und das Ziel ist es, dem Stier diese abzupflücken.

Bei den Trophäen

handelt es sich um eine Kokarde, das ist ein sehr kleines rotes Tuch, das auf der mit der Stirn des Stiers befestigt wird. Zwei kleine weiße Quasten (Glands) die durch Gummibändern an der Basis der Hörner befestigt werden. Dann die Ficelles, das sind zwei quer über die Stirn laufende, an der Basis der Hörner befestigte Fäden. Und zum Schluss den Frontal, das ist ein Faden der hinter den Hörner gespannt ist.

Die Spieler

tragen alle komplett weiße Kleidung, nur die Farbe des Namensschildes auf dem Rücken verrät, ob es sich um einen Raseteure (schwarz) oder um einen Tourneure (rot) handelt.

Die Raseteure (Stierstreifer)

müssen versuchen, dem Stier diese Trophäen in einer festgelegten Reihenfolge abzunehmen.
Dafür benutzen sie eine Eisenkralle, den sogenannten Crochet. Wobei mich dieser ganz stark an den Scherkamm meiner Hunde erinnert.
Die Raseteure sind bei einem Kampf in zwei Gruppen eingeteilt und halten sich in kleineren Gruppen an verschiedenen Seiten rechts und links in der Arena auf.

Die Tourneure

helfen dem Raseteure bei seinem Ziel, die Trophäen vom Stier zu bekommen. Sie lenken dessen Aufmerksamkeit ab und versuchen, ihn in der Arena in eine Position zu bringen, damit der Raseteur gut annähern kann.

Der Raset

Der Raseteur führt einen raset durch, wobei er den Stier an der Stirn oder der Basis seiner Hörner „streift“, um von ihm die Trophäen zu ergattern. In dem Moment, in dem der Stier von dem Tourneur abgelenkt wird, läuft der Raseteur los. Der Stier verfolgt diesen in der Regel, sobald er loszulaufen beginnt.
Der Raseteur läuft dabei auf einen vorher berechneten Bereich zu, wohin sich der Stier nach seiner Einschätzung auch bewegen wird und wo er nach seinen Erfahrungen einen erfolgreichen rastet am machen kann.
Wenn der Raseteur bei seinem Lauf über den Platz einen zu kurzen Bogen macht, holt ihn der Stier ein, auch wenn sein Weg zu lang ist. Wenn der Stier nicht wie erwartet hinterherläuft, weicht der Raseteur dem Stier mit einem Abbruch des raset-Versuches aus. Der Stier jagt in der Regel dem Raseteur hinterher der dann versucht sich durch einen beherzten Sprung hinter die Barrikade zu retten.

Ausbildung

Um daran teilzunehmen, müssen die Spieler eine 3-5 jährige Ausbildung abgeschlossen haben. Inzwischen ist es ein richtiger Sportberuf geworden.
Wenn Schüler kämpfen, werden die Hörner der Stiere umwickelt, damit sie stumpf sind. Für den jungen Nachwuchs unter den raseteurs, gibt es zudem einen Wettbewerb für unter 24 Jährige.

 

Meine Erlebnisse mit dem Course Camarguaise

Inzwischen bin ich ein großer Fan von dieser Art des Stierkampfes und schaue es mir gerne an.

Auch wenn sich die Beschreibung total spannend anhört, habe ich aber auch schon Durchgänge gesehen, die einfach nur langweilig waren.

Wie bereits oben erwähnt, kommen die Stiere nach dem Signal in die Arena und sollen sich erst einmal orientieren und dann sollte es eigentlich beginnen.
Bei unser allerersten Runde ging gleich richtig die Post ab. Die Tourneure provozierten den Stier mit Bewegungen und Lauten. Sie schafften im Sand, der Stier scharte im Sand und der erste Raseteur startete einen Versuch. Der wurde bald vom Stier gejagt und rettete sich mit einem Sprung an die Gitter der Tribüne, so ging es hin und her, bis alle Trophäen eingesammelt waren.
Runde zwei war genauso.
Runde drei hingegen war etwas ruhiger. Vielleicht etwas zu ruhig. Der Stier stand in der Mitte der Arena und ließ sich durch nichts beirren und bewegte sich nur, wenn ihm jemand zu dicht kam. Von dem 15 Minuten bewegte er sich 13,5 Minuten überhaupt nicht. Egal was die Tourneure oder die Raseteure anstellen, es glich einem Stillleben.
Runde vier hingegen war der Wahnsinn. In die Arena kam eine schnaubende Kuh, die dann noch wie irre mit dem Hufen scharrte. Nach kurzen Blick in die Runde raste sie los und machte jagt auf die Raseteure und Tourneure, egal ob die sich bewegten oder nicht. Und wenn keiner mehr in der Arena war, drehte sie den Spieß um, sprang in den Graben hinter die Holzwand und jagte ihre Gegner in die Arena, das ging die ganze Zeit so, wir haben so herzhaft gelacht. Dann hat noch der eine Stier die hölzerne Umrandung zerlegt hat und die Raseteure in die Arena gejagt hat und letztendlich keine Lust hatte die Arena nach dem Signalton zu verlassen und das nur mit Hilfe einer Leitkuh klappte. 

 

 

Da der Stier einem Raseteur das Hemd aufgerissen hatte, konnten wir die ganzen Narben am Oberkörper sehen. Teilweise waren die 20 cm lang und sehr breit. Als Zuschauer ist einem bewusst, was passieren kann, wenn der Stier einen Spieler mit den Hörnern erwischt, aber es zu sehen und seien es nur die verheilten Narben ist schon schockierend.

Auch dieses Jahr besuchten wir in Salin-de-Giraud einen Course Camarguaise. Am Anfang waren wir etwas verwundert, das die Stiere Kappen auf den Hörnern hatten, doch inzwischen wissen wir, das unter den Raseteuren auch ein 16 jähriger mitgemacht hat und das es nur zu seinem Schutz war. Leider hat ihm das an diesem Tag nicht wirklich geholfen. Er wurde zwar nicht mit den Hörnern getroffen, aber als er mit einem Sprung an die Sicherheitsgitter versucht dem Stier zu entwischen, traf der Stier eines der Beine des jungen Mannes und bog diese unnatürlich um die Steinkante. Zwei Spieler fingen den Jungen auf, während die anderen Spieler die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich lenkten. Der Junge wurde gleich auf die Erste Hilfe Station gebracht und später ins Krankenhaus.
Wir waren schockiert und für die anderen Spieler muss das noch schlimmer gewesen sein. Dennoch ging es weiter als wenn nichts gewesen wäre. The Show must go on.

Am nächsten Tag sahen wir ihn wieder, mit einer Schiene über das gesamte Bein.

Wenn ihr Euch einen Stierkampf ansehen möchtet, achtet genau darauf welche Variante gerade stattfindet. In Arles wären wir gestern beinahe in einen spanischen Stierkampf geraten.

In kleineren Dörfer werden meistens nur in den Supermärkten kleine Aushänge angebracht, so das man als Tourist oftmals gar nicht mitbekommt, das überhaupt ein Stierkampf stattfindet. Sonst fragt dort nach oder in den Touristeninformation.

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